"Verfemte Muse - Einst verlorene Sterne der Silbernen Operettenära"
Zwischen 1900 und 1940 florierte eine Zeit voller musikalischer Lebenslust:
die Silberne Operettenära — geprägt von jüdischen Komponisten und Librettisten, liebevoll und charmant, begleitet von satirischem Scharfsinn und feinem Humor.
Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele dieser Werke als „entartet“ diffamiert. Namen wurden getilgt, Stimmen zum Schweigen gebracht, Karrieren zerstört. Künstler wurden verfolgt, inhaftiert oder vertrieben.
Einer von ihnen war der Theatermann Alfred Dreifuß, Großvater des Tenors David Ameln.
Einst engagiert am Württembergischen Staatstheater Stuttgart und an der Volksbühne Berlin wurde er später verfolgt, inhaftiert und schließlich ins Exil gezwungen.
Sein Schicksal steht stellvertretend für viele — und ist Anlass dieses Abends.
Unter dem Titel „Verfemte Muse“ lassen wir einige dieser einst verbotenen Kostbarkeiten wieder erklingen.
Werke, die von Liebe erzählen und der Schönheit des Lebens.
Melodien, die Grenzen überwinden und erinnern.
Wir laden Sie ein, diese Stimmen mit uns wiederzuentdecken.
Denn Musik bewahrt, was man zum Schweigen bringen wollte.
Und sie mahnt: Nie wieder.

Wann: Sonntag, 10. Mai 2026 um 17 Uhr
Wo: Logenhaus Dessau (Ferdinand-von-Schill-Straße 7, 06844 Dessau-Roßlau)
Mitwirkende:
Olga Polyakova (Sopran), Stuttgart
David Ameln (Tenor), Dessau
Nico Stabel (Piano), Berlin
Peter Paul (Moderation), Stuttgart
Victor Hollaender
Geboren am 20. April 1866 in Leobschütz (Schlesien).
Er heiratete die Sängerin Rosa Perl; aus der Ehe ging sein Sohn Friedrich Hollaender hervor.
Vor der Entrechtung seiner Werke prägte er das Berliner Musikleben mit Operetten und Revuen wie 'Der rote Kosak' und 'Die Schöne vom Strande'. In den 20er Jahren arbeitete er zudem als Theaterdirektor, bevor ihn 1934 der wachsende Druck des NS-Regimes zur Emigration zwang.
Sein Weg führte über London nach Hollywood, nach Deutschland kehrte er nie zurück.
Er starb am 24. Oktober 1940 in Hollywood.
Leo Fall
Geboren am 2. Februar 1873 in Olmütz (Mähren) in eine Musikerfamilie.
Berühmt wurde er mit Operetten wie 'Die Dollarprinzessin' (1907) und 'Die Rose von Stambul' (1916) und war einer der bedeutendsten Vertreter der Silbernen Operettenära.
Seine Brüder Richard und Siegfried Fall, ebenfalls Komponisten, wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.
Er selbst erlebte die NS-Zeit nicht mehr; seine Werke wurden später verboten.
Er starb am 16. September 1925 in Wien.
Kurt Weill
Geboren am 2. März 1900 in Dessau als Sohn eines jüdischen Kantors.
1926 heiratete er Lotte Lenya, seine künstlerische Partnerin.
Zu seinen bedeutendsten Werken vor der Emigration zählen die 'Die Dreigroschenoper' (1928) und 'Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny' (1930).
Am 21. März 1933 floh er vor den Nationalsozialisten. Stationen seines Lebens waren Paris und London, bevor er sich ab 1935 in New York niederließ.
Er blieb in den USA, wurde amerikanischer Staatsbürger und starb am 3. April 1950 in New York City.
Oscar Straus
Geboren am 6. März 1870 in Wien.
Zu seinen bekanntesten Erfolgen vor dem Exil zählen 'Ein Walzertraum' (1907) und 'Der tapfere Soldat'.
Um 1930 arbeitete Straus in Hollywood unter anderem mit dem Filmregisseur Ernst Lubitsch zusammen, kehrte aber noch einmal nach Österreich zurück - was er später bereute.
Um 1939 konnte er dank einer eher zufälligen Einladung nach Zürich vor der NS-Verfolgung fliehen: sein Weg führte ihn und später auch Teile seiner Familie durch mehrere Länder erneut nach Hollywood. Sein Sohn Leo Straus, von Beruf Dramaturg und Librettist, wurde in Auschwitz von den Nazis getötet.
Nach 1945 kehrte Straus endgütlig nach Österreich zurück und lebte in Bad Ischl, wo er am 11. Januar 1954 verstarb.
Emmerich Kálmán
Geboren am 24. Oktober 1882 in Siófok (Ungarn).
Vor allem seine deutschsprachigen Operetten 'Die Csárdásfürstin' (1915), 'Gräfin Mariza' (1924) und 'Die Zirkusprinzessin' (1926) machten ihn zu einem der berühmtesten Operettenkomponisten seiner Zeit und einem der Mitbegründer der Silbernen Operettenära.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 floh er über Zürich und Paris in die USA.
1949 kehrte er nach Europa zurück und lebte wieder in Paris, wo er am 30. Oktober 1953 starb.
Paul Abraham
Geboren am 2. November 1892 in Apatin (damals Ungarn) als Sohn eines jüdischen Kaufmanns.
Vor 1933 feierte er nicht nur in Berlin, seinem damaligen Wohnort, sondern in ganz Europa rauschende Erfolge mit seinen Operetten 'Viktoria und ihr Husar', 'Die Blume von Hawaii' und 'Ball im Savoy'. Vor allem seine Art, traditionelle Operettenelemente mit Rhythmen des Jazz zu kombinieren, trug maßgeblich zu seiner Popularität bei.
Diese Erfolgsstrecke endete jedoch jäh im Jahr 1933, als seine Musik als 'entartet' eingestuft wurde und er sich gezwungen sah, zu fliehen.
Nach Jahren schwerer psychischer Erkrankung kehrte er aus den USA in den 1950er-Jahren nach Deutschland zurück und lebte in Hamburg, wo er am 6. Mai 1960 starb.
Friedrich Hollaender
Geboren am 18. Oktober 1896 in London als Sohn des Komponisten Victor Hollaender. In Berlin prägte er in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren die Theater- und Kabarettszene als Komponist, Autor und musikalischer Leiter. Zu seinen bekanntesten Arbeiten aus dieser Zeit gehört das Lied 'Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt' aus dem Film 'Der blaue Engel' (1930).
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 über Paris und London in die USA. In Hollywood arbeitete er als Filmkomponist und schrieb Musik für zahlreiche Produktionen.
1956 kehrte Hollaender nach Deutschland zurück und ließ sich in München nieder, wo er weiterhin für Theater und Film tätig war.
Er starb am 18. Januar 1976 in München.